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Hans Fischer: Kunst und Kunsthandwerk

Oder ist es das Gleiche? Für Hans Fischer ganz sicherlich nicht: „Der Unterschied von Kunsthandwerk und Kunst ist ein Quantensprung im Ausgesetztsein“, sagt er. „Als Künstler entblößt man sich viel mehr“. Doch diese Unterscheidung hat für ihn nichts Wertendes.

„Ich habe lange gemeint ich mache Kunsthandwerk, weil ich mein Brot verdienen muss. Aber ich verstehe langsam, dass es für mich etwas ist, was mich wirklich nährt. Ich kann bei Kunst nachdenken über Wirksamkeit und bei einem Becher auch. Letztendlich kann ich auch einen Becher so machen, wie ich ihn machen will.“

Und das tut er. Im Gegensatz zur Bauhaus-Maxime „Form follows Function“ verfolgt Fischer seinen eigenen Weg, der keine Regel zu kennen scheint, der sich gänzlich der Subjektivität und damit dem sehr persönlich Empfundenen verschreibt.

Was weder das Design schafft, noch die Kunst derart in unserem Leben verankert und zur Verfügung stellt, wird zum Charakteristikum des Kunsthandwerks: In höchst alltäglichem Rahmen, in häuslichen Zusammenhängen werden profane Dinge aufgeladen mit einer künstlerischen Haltung und fordern den Nutzer dieser Gegenstände zur Interaktion auf, zum Dialog und schlussendlich durch den Gebrauch zur Vollendung eines Artefakts.

Der handwerkliche Teil beim Kunsthandwerk besteht darin, dass ein Gegenstand die Anforderungen des Nutzens erfüllt. Der jeweiligen Aufgabe Rechnung zu tragen setzt eine fachgerechte Ausführung voraus. Für Fischer bedeutet Handwerk nicht Perfektion, ihn interessiert der Dialog mit dem Material.

Fischer spricht auch dem designten, also entworfenen und danach maschinell produzierten Gegenstand keineswegs Qualität und Ästhetik ab. „Der Unterschied ist, dass ich im Kunsthandwerk, durch die Arbeit mit der Hand, die Dinge beseelen kann. Das schafft die Industrie nicht."  Wer Fischers Keramik in die Hände nimmt, anschaut, zum Mund führt, erfährt etwas über Ton und dessen Charakter. Und dieser Ton ist kein Gussmaterial, keine standardisierte Drehmasse. Seine Gefäße erzählen etwas von ihrer Herkunft, auch in antropologischem Sinn. Sie sind poetisch und leise und reden mehr vom Wünschen als vom Behaupten.

Kunsthandwerk ist laut Fischer jedoch nicht medial genug. „Kunsthandwerk hat eher den persönlichen Raum, der auch wirksam aber nicht sichtbar ist. Und man kommt leicht in die Versuchung zu glauben, dass Wirksamkeit mit Sichtbarkeit zu tun hätte. In der Kunst wie im Kunsthandwerk besteht das Geschenk jedoch darin, dass man sich der eigenen Person klar wird. Ich glaube es ist ein Missverständnis, wenn jemand meint, dass er mit dem was er macht Ansehen erlangen kann. Denn er macht etwas Persönliches. Und alles was persönlich ist, ist gegen den Strom. Er schafft eine Insel, auf der er sein Eigenes tut und wo Leute zu ihm stoßen, die sein Eigenes begreifen als etwas, was mit Ihnen zu tun hat. Mehr kann man gar nicht wollen.“

 

 

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